Mehr Selbstmitgefühl mit RAIN

Aktualisiert: 27. Dez. 2021


Ich sag’s wie es ist: Mein Tag gestern war beschissen, zumindest die erste Hälfte. Auch Therapeuten und Coaches haben mal schlechte Tage, wir sind ja auch nur Menschen. Ich fühlte mich erschöpft, weil viele Dinge gleichzeitig zu tun und zu entscheiden waren, wie immer eigentlich, aber die Stimmung dazu war mies. Mein Sohn durchleb mal wieder eine sehr rebellische Episode, die an meinen Kräften zehrt.... Alles fühlte sich zu viel an. Alte Gefühlsmuster von Einsamkeit und Überforderung kamen hoch. Na toll, dachte ich, jetzt geht das wieder los. ABER weil ich es schon kannte, konnte ich es auch besser einordnen. Es gibt eine tolle Technik aus dem Meditations-Kosmos, genannt RAIN.


R für Recognize

Zunächst einmal ist es wichtig, die Emotionen zu bemerken und sie benennen zu können. Was passiert das eigentlich gerade mit mir? In meinem Fall habe ich Gefühle von Traurigkeit, Müdigkeit, Einsamkeit und Selbstmitleid erkannt – ein schöner Depri-Mix.


A für Allow

Im zweiten Schritt versuche ich, meine schlechte Stimmung anzuerkennen und zu erlauben. Es dürfen Tränen fließen und es ist ok, wenn ich negative Gedanken habe. Sie zu unterdrücken oder zu verteufeln bringt nichts. So wenig, wie altes Zeug in den Keller zu tragen oder unters Bett zu schieben , à la „aus den Augen, aus dem Sinn“. Der Shit ist immer noch da und wird sich weder im Keller noch unterm Bett in Luft auflösen.


I für Investigate

Woher oder warum kommen diese Gefühle? Ein Fall für Inspector-Cini J Meistens sind es schon total einfache Dinge, die wir aber leider nicht im Blick behalten. Ich habe mich z.B. daran erinnert, dass ich oft im Frühling mit Stimmungsschwankungen zu kämpfen habe. Klingt paradox, weil der Frühling für Aufatmen, Lebendigkeit und Liebesgefühle steht, ist aber ein verbreitetes Phänomen, weil es eine Umbruchphase ist, ein Übergang in etwas Neues und das rüttelt an uns. Und ich habe mal wieder zu verbissen gearbeitet, tut meinem Naturell gar nicht gut, weil ich dazu neige, meine Ziele zu ernst zu nehmen und die Freude auf dem Weg dahin verliere.


N für Nurture

Als ich das Woher und Warum erkannt hatte, habe ich mir eine Badewanne eingelassen und gelesen. Dann war ich mit meinem Sohn Eis essen und habe mit ihm rumgealbert und auch hier versucht, weniger streng sondern spielerischer zu sein. Am Ende des Tages haben wir ausgelassen „Disco“ gespielt und sind wild durch die Wohnung getanzt. Et voilà, heute sieht der Tag schon gaaaaanz anders aus.


Natürlich lassen sich Stimmungen nicht immer so easy wechseln wie in meinem persönlichen Beispiel. Ich hoffe, trotzdem, dass die RAIN-Technik der/dem Einen oder Anderen helfen wird. Ich freue mich, über eure Rückmeldungen und Erfahrungen!