Mindful Solo Sex

Aktualisiert: 27. Dez. 2021



Bilder überall

Für viele Menschen geschieht der Sex mit sich selbst über den Konsum von Pornografie. Allein der Anbieter Pornhub hatte im letzten Jahr 42 Milliarden Aufrufe seiner Internetseite. Das waren 115 Millionen Besuche pro Tag. Wow!


Die Bilderflut um uns herum und im Bereich Sex ist gigantisch und wächst zunehmend. Der visuelle Reiz nimmt überhand während andere Sinne verkümmern.

Seien wir doch mal ehrlich: Selbst wenn wir beim Solo-Sex keine Pornografie konsumieren, so nutzen wir trotzdem innere Bilder aus Erinnerungen oder Fantasien, die uns anregen. Wir kreieren unseren eigenen, visuellen sexy stuff; unser Kopf wird zum Erotikkino

Back to Handbetrieb Viele Frauen in meinem Umfeld, haben eine schwache oder sogar keine Verbindung zu ihren inneren Sexualorganen und spüren nur wenig oder sogar nichts in ihrer Vagina. Die meiste Stimulation passiert klitoral und das recht punktuell, obwohl die Klitoris ein viel größeres Organ ist, als die meisten annehmen. Und Stimulation passiert recht „laut“, dank der heutigen high speed Vibratoren mit diversen Bewegungs-Modi (die kein Penis der Welt vollführen kann).


Wie wäre es stattdessen, beim Sex wieder mehr ins „innere“ Fühlen zu kommen, feine Berührungen wahrnehmen und einen vaginalen Orgasmus erleben zu können? Klingt toll, aber wie? Ihr ahnt es schon: Weg mit den Vibratoren und den Bildern. Ich weiß, das klingt hart und unsexy. Aber es ist absolut lohnenswert für alle, die an einem tieferen Gefühl beim Sex interessiert sind, egal ob mit sich selbst oder Partner*innen.

Sex fühlen statt sehen Wir können den Pfad der Bilder verlassen, wenn wir uns stattdessen auf das Fühlen konzentrieren. Gar nicht so einfach, ich weiß, weil wir so stark auf Bilder getrimmt sind.

Meditationen und Achtsamkeitsübungen wie der Bodyscan helfen uns, die Wahrnehmung des eigenen Körpers zu steigern.

Das bewusste „in Verbindung gehen“ mit dem Körper trainiert das Fühlen. Es geht um die reine Wahrnehmung dessen, was gerade im Moment ist, ohne es zu bewerten. Auch das Wahrnehmen des Nichts ist ein Akt von Achtsamkeit.

Selbstwahrnehmung kann trainiert werden. Aus einem Gefühl von wenig oder nichts wird irgendwann ein Gefühl für das, was da ist. Je mehr Aufmerksamkeit wir uns selbst, unserem Körper schenken, desto mehr Empfindungen werden sich entfalten und der Zugang zu unseren Emotionen vergrößert sich außerdem. Das passiert nicht von heute auf morgen, sorry, sondern braucht Geduld und Zeit. Es ist wie eine Forschungsreise, auf die sich jede*r im eigenen Tempo begibt und daraus individuelle Erkenntnisse gewinnt. Eine Reise zu unbekannten Ufern, für alle die neugierig sind, was Neues beim Sex zu fühlen. Für alle, die insgeheim wissen, das da mehr geht als der kurze Kick, den uns die Sex-Toys schenken.

Quelle: https://www.pornhub.com/insights/2019-year-in-review